Unsere Kinder sind unsere Zukunft

Die Elternvertretung an der Grundschule Waldenau (Pinneberg) hat in einem Offenen Brief an die Kandidat:innen zur Landtagswahl die unhaltbaren Bedingungen für das kommende Schuljahr in die Öffentlichkeit getragen. Es werden durch Zusammenlegungen die Klassengrößen auf 33 bis 36 – in Worten: dreiunddreissig bis sechsunddreissig – Kinder erhöht. Hier unsere Stellungnahme dazu.

Sehr geehrte Frau Engels,
haben Sie vielen Dank für Ihre ausführliche Stellungnahme, die uns als Partei DIE LINKE eigentlich nicht überrascht. Es ist gut und richtig, damit an die Öffentlichkeit zu gehen und für die Problematiken zu sensibilisieren.

Die Ausbildungs- und Steuerungspolitik im Bildungsbereich von der Kita über die Grundschule bis zu den weiterführenden Schulen in SH ist miserabel. Es wird nur noch der Mangel auf allen Ebenen verwaltet und zwischen den Verantwortlichen auf kommunaler- und Landesebene hin und her verschoben. Mit Blick auf den Kreis Pinneberg (bzw. die Metropolregion) hapert es am Kita- und Schulausbau, sei es bei den Gebäuden (kommunal) oder den Fachkräften (Land SH), obwohl seit Jahren klar ist, dass immer mehr Menschen und insbesondere Familien mit Kindern hierherziehen und der Bedarf grundsätzlich, besonders im Kita Bereich, steigt.

Es ist zudem nicht erst seit gestern bekannt, dass es im Land Schleswig-Holstein einen großen Mangel an Lehrkräften für Grundschulen besteht. Anstatt spätestens nach der Feststellung: „… Wir müssen mit guten Konzepten die Unterrichtsversorgung und die Versorgung unserer Schulen mit Lehrkräften sicherstellen. Und zwar beides hundertprozentig.“ (Siehe Aussage von Frau Prien am 12.12.2018 im Landtag lt. Pinneberger Tageblatt vom 03.05.2022) eine Reform der Grundschullehramtsausbildung an den eigenen Hochschulen des Landes anzugehen, allen Grundschullehrkräften an der Grundschule A13 zu bezahlen und besonders die Schulleitungen von Verwaltung zu entlasten, werden Klassen zusammengelegt und dies als pädagogisch bereichernd „verkauft“.

Für unsere Fraktion und unsere Partei ist die Erhöhung der Klassengröße durch Zusammenlegung von Klassen mit der ursächlichen Begründung eines Personalmangels und der derzeitigen Unmöglichkeit, zugewiesene Stunden vollumfänglich zu besetzen, die allerschlechteste Lösung. Dies ist eine Not- bzw. Sparmaßnahme, ohne einen Restfunken des Anspruches von Schulbildung und adäquater Erziehung! Grundschulen haben einen Bildungs- und Erziehungsauftrag – ergo auf dem Rücken der Kinder als Pfeiler unserer zukünftigen Gesellschaft, auf dem Rücken der Lehrkräfte und letztlich auf dem Rücken der Gesellschaft wird hier der o.g. mangelhafte Weitblick sowie das Krisenmanagement ausgetragen.

Das Schlimme ist, die eigentliche Ursache wird nicht betrachtet und auch nicht gelöst. Der Job als Lehrkraft, insbesondere an einer Grundschule, bleibt unattraktiv. Es gibt zudem keine fassbaren Konzepte der Anwerbung von motivierten Student:innen und man rettet sich mit der Einstellung von Quereinsteigern ohne pädagogische und fachdidaktische Ausbildung sowie Senior-Lehrkräften, die eigentlich ihren Ruhestand genießen sollten. Das dann mit „Wirtschaftlichkeit“ argumentiert wird, macht uns als Fraktion sprachlos.

In größer werdenden Lerngruppen kann keine pädagogisch wertvolle Arbeit mehr geleistet werden. Die Kinder können nicht dort abgeholt werden, wo sie stehen. Ihre sozial-emotionale Befindlichkeit kann dementsprechend, wenn überhaupt, nur oberflächlich erfasst werden. Das heißt auch, Förder- und Fordermaßnahmen, (Binnen-)Differenzierung sowie Inklusion können nicht mehr stattfinden, da eine belegbare, qualitative Analyse der einzelnen Mitglieder der Lerngruppe nicht mehr erfolgen kann. Die Folge ist ein „Gießkannenlernen“ mit Frontalunterricht. Alle Erkenntnisse der modernen Didaktik können nicht angewendet werden, antiquierte Lehr- und Lernmethoden müssen zwangsläufig ihre Anwendung
finden. Der Erziehungsaspekt fällt dabei sicherlich ganz hinten herunter.

Eine Massenbeschulung ohne Rücksicht auf Verluste, das Argument mag moralisch ethisch verwerflich klingen, mutet fast an wie die Beschulung in Nachkriegskriegszeiten. Alle befinden sich in einen Raum, zwangsläufig autoritäre Pädagogik muss zu Ruhe ermahnen, die Kinder müssen funktionieren. Wie soll es sonst bei annähernd 40 Kindern möglich sein, eine annehmbare Lernatmosphäre zu erschaffen?

Völlig außer Acht gelassen werden bei den planten Maßnahmen die belegbaren sozial-emotionalen Beeinträchtigungen und Schwierigkeiten durch die Corona Pandemie sowie die demnächst im verstärkten Maße auftretenden Probleme durch traumatisierte Kinder (und Eltern) aus der Ukraine. Hierbei sind die Kinder und Eltern aus Syrien nicht zu vergessen. Es ist von unbestreitbarer Wichtigkeit, die Kinder im ganzheitlichen Sinn als Menschen, Lernende, als Subjekte zu fördern, fordern, zu unterrichten, zu unterstützen, dieses geht immer weniger bei größeren Lerngruppen. Die Berücksichtigung der sozialen und kulturellen Zusammensetzung, die in Hamburg durch den Kess-Index die Klassengröße deckelt, findet
in den geplanten „Riesenlerngruppen“ keinen Eingang mehr, egal, wie die Zusammensetzung ist.

Wir erwarten von der Bildungsministerin und der Landesregierung, sich grundsätzlich für die Realisierung von kleinen Klassen einzusetzen, endlich zukunftsorientiert und bedarfsgerecht auszubilden und entsprechende Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Wir hoffen, es wird sich für die Grundschule Waldenau zügig eine Lösung finden. Sprechen Sie uns im weiteren Verlauf gerne an, wir unterstützen, wo wir können.

Viele Grüße
Rene König

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