Was ich nicht missen will

23. September 2018

Letzthin haben sich für mich einige Umstände geändert und das ist gut so. Andere will ich nicht verändern und bin bereit, darum zu kämpfen, dass diese Dinge so bleiben wie sie sind.

Wenn ich am Montag aufstehe, treibt mich die Uhr an. Am Dienstag ist es anders. Da habe ich morgens viel Zeit. Nach einem Kaffee und einer Dusche schlendere ich in ein nahe gelegenes Waldstück und erfreue mich der Natur, der Stille und der guten Luft. Manchmal sehe ich Tieren zu, die nach Nahrung suchen oder schlicht umherwandern. Emsigen Vögeln, die hohe Nester bauen und Kaninchen und Eichhörnchen, die sich auf der Wiese tummeln. Sportliche Menschen zischen auf leisen Sohlen vorüber oder pausieren an der alten Holzbank mit Blick auf einen still ruhenden See.

Auf dem Rückweg gehe ich eine andere Route entlang und komme an ein paar kleinen Läden vorbei. Dort sage ich Magda, dass die neue Dekoration im Schaufenster toll aussieht, die sie mit ihren Angestellten Heinz und Melek ausgetüftelt und mühsam aufgebaut hat. Ihr Mann Juri pflichtet dem bei. Ich grüße Frau Garcia Lopez auf ihrem Balkon, die in Schürze und Kopftuch gekleidet gerade den Haushalt auf Vordermann bringt. Im Erdgeschoss sitzen Kevin, Amir und Dario auf der Veranda vor der Eisdiele. Der Eismann Herr Olumahandi winkt mit einer Eistüte in der Hand.

Und dann beginnt mein Tag zum zweiten Mal, allerdings mit einer ganz anderen Qualität als am Montag. Warum ich Ihnen das erzähle? Es ist ganz einfach. Kleine und doch elementare Höhepunkte des Tages für einen einfachen Menschen laufen nicht mit Hollywood-Hochglanz ab. Man erkennt sie bei diesem Beispiel an den Merkmalen der Entschleunigung, des Stressabbaus und der Regeneration. Dafür sind kein Wellness-Wochenende und kein Kurs notwendig, sondern vielmehr die grundsätzlichen Eckpfeiler jener Realität, die wir selbst für uns geschaffen haben.

Ein Leben im Einklang mit der Natur. Es klingt wie ein unrealistischer Slogan, wenn man sich die eben erwähnte Realität anguckt, aber der Anspruch ist so alt wie das menschliche Denken selbst. Zweifellos gilt das nicht für alle Menschen, doch erfreulicherweise für viele. Wie wertvoll das Erhalten der Natur um ihrer Selbst willen und zugunsten von Mensch und Tier ist, lässt sich schwer in Zahlen ausdrücken. Leider bilden Zahlen ab, wie lukrativ die Ausbeutung und Zerstörung dieser Natur ist. Wenige befürworten und tun das, und doch bleibt die Profitgier hier ein riesiges Problem.

Das gute Leben in einer multiethnischen Gesellschaft. Wenn man sich die Probleme auf unserem Planeten anschaut, richten manche Menschen direkt den Blick auf nationale Belange und neigen zu schnellen Urteilen. Manche Menschen verspüren größere Ängste vor Veränderungen als andere. Dennoch bleibt es unverzichtbar, solidarisch mit anderen Menschen umzugehen. Sei es in der Nachbarschaft, auf dem Mittelmeer, selbst über Kontinente hinweg. Es gilt, Leid zu lindern und Unrecht zu bekämpfen. Ungeachtet der Herkunft, Hautfarbe, Religion oder der sexuellen Identität.

All das ist ein Teil meines Lebens. Ich will weder diesen schönen, kleinen Wald missen noch meine internationale Solidarität oder diese großartigen Menschen auf meiner Morgenroute. Ganz egal, was manch Andere sagen, gerne hätten oder vorhaben.

Es ist Zeit, an jedem Fenster und auf jeder Straße Flagge zu zeigen. Als demokratische Gemeinschaft, die aufsteht gegen Hass und Hetzjagden, gegen Gewalt und Intoleranz.

Die einsteht für Toleranz, Solidarität, für soziale Gerechtigkeit und für den Umweltschutz. Für eine Welt, in der wir die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen.

Ein Kommentar von Frank Ramson aus der Reihe „Immer wieder sonntags“ zu multiethnischer Toleranz und zum Umweltschutz, 23.09.18.