Mein Güte, die Innenstadt brennt, meine Güte!

Froh gelaunt komme ich Freitag vom Markt. Da sehe ich einen Mann, der mit einem Propangasbrenner die Pflastersteine abflammt. Im Auftrag der Stadt Uetersen bzw. des Kreises Pinneberg sagt er.

„Die Arktis brennt und Du fackelst hier munter belebte Natur aus der letzten Ritze? Hast Du denn gar nichts verstanden?“ Mich macht das fassungslos. Doch es geht nicht um den einen Angestellten, der diesen Auftrag ausführen muss. Mich bewegen die zehntausenden Kinder, die uns jeden Freitag anschreien, weil wir ihre Zukunft ruinieren: Wir alle haben (noch) nichts verstanden.

Unser Verhältnis zur Natur scheint massiv gestört. Wir schützen nur das, was wir lieben. Die meisten aber scheinen nur „gepflegte, ordentliche, saubere“ Steine zu mögen. Tote Steine, wohlgemerkt. Kaum jemand beachtet das Wunder der Natur zu unseren Füßen, um uns herum in der Luft und in den Weiten der Ozeane.

Wir pflastern und asphaltieren fruchtbaren Boden, wir verschmutzen die Atemluft mit Feinstaub und selbst unser Wasser vergiften wir mit Nitraten und Mikropartikeln. Was ist nur los mit uns? Wir müssen umdenken – dringend, schnell und radikal – sagt der Weltklimarat.

Das aber kann nur in den Köpfen passieren. Wir müssen wieder lernen zu lieben, was uns am Leben hält – von dem wir essen, trinken und atmen: unsere Umwelt! Und dazu passt so gar nicht, dass wir mit Steuergeldern bezahlt, Gas verbrennen und CO2 ausstoßen, um kleine grüne Pflänzchen vor unser aller Augen zu vernichten.

Wer unbedingt tote Steine, Geröll und Sand so liebt, der sei hiermit in die Wüste geschickt.

Isolde Immergrün,
Uetersen