Umverteilung jetzt – der 1. Mai war kämpferisch
Hunderte Menschen beteiligten sich auch diesmal an den DGB-Veranstaltungen zum 1. Mai. Bei bestem Wetter zog die Demo durch die Elmshorner Innenstadt, anschließend lockten wiederum diverse Infostände auf dem Alten Markt ins Stadtzentrum. Es gab zu essen und zu trinken, auf der Bühne spielten die SURFITS, ein Kinderprogramm lockte die Kleinen mit ihren Eltern und Großeltern zum Maifest.

Eine Wohlfühlzone wie so oft in den letzten Jahren? Nicht ganz, schon gar nicht für den Wahlkreisabgeordneten der CDU. Daniel Kölbl. In diesem Jahr hat die Gewerkschaft auf Grußworte aktiver Politiker verzichtet. 2025 durfte Kölbl noch eines halten, was heftige Proteste heraufbeschwor. Ausgegangen auch von Linksjugend/’solid. Durchaus berechtigt, vertritt er doch politisch die Wirtschaftsakteure, die seit Jahren Errungenschaften der Arbeiterbewegung infrage stellen. Ihre Politik führt zu schwindender Tarifbindung der Beschäftigten, beschleunigt den Sozialabbau, schränkt ArbeitnehmerInnenrechte ein.
Dem Moderator Kai Trulsson, erster Bevollmächtigter der IG Metall Unterelbe, ist es gelungen, Kölbls Antworten während einer Talkrunde, an der auch der Sozialdemokrat Ralf Stegner, die Grüne Ann-Christin Hahn und der LINKE-Kreistagsabgeordnete René König teilnahmen, zu entlarven. Die Zuhörenden vor dem Podium taten Ihres, um Herrn Köbl nicht wirklich zu Wort kommen zu lassen, oder ignorierten ihn. Dankbaren Beifall dafür erntete der IG-Metall-Bevollmächtigte.
Einen starken Auftritt während der Runde hatte René König. Laut Berechnungen des DIW-Instituts würde „eine Vermögensteuer 108 Milliarden Euro in die Kassen spülen. Schleswig-Holstein würde mit 3,6 Milliarden Euro profitieren. “ Viel Geld für Schulen, Infrastruktur und ÖPNV. Die LINKE tritt seit Jahren für eine Vermögensteuer, für eine Übergewinnsteuer und Finanztransaktionssteuer ein. „Wir haben genug Kohle im System, um die Basis ordentlich auszustatten.“
Zuvor zog eine Demonstration durch die Innenstadt Elmshorns. Traditionell gab es auch diesmal einen Zwischenstopp am „Reinhold-Jürgensen-Platz“. Ihm zu Ehren ergriff Irmgard Jasker aus Wedel dort das Wort. Jürgensen war ein deutscher KPD-Politiker und NS-Gegner aus Elmshorn. Als Reichstagsabgeordneter (1932–1933) und Stadtverordneter kämpfte er gegen den aufkommenden Faschismus, wurde nach 1933 inhaftiert und 1934 im KZ Fuhlsbüttel von der SS ermordet. Damit zog Irmgard Jasker thematisch einen Bogen zu den aktuellen Entwicklungen heute.
Der Rechtsruck ist erheblich und unübersehbar. Das hängt unmittelbar mit der Erosion der Mittelschicht zusammen, die finanziell unter Druck gerät. Viele neigen dazu, sich dann denjenigen zuzuwenden, die einfache Antworten auf komplexe Fragen liefern. Also zur AfD, die so tut, als kümmere sie sich um die „kleinen Leute“, deren Politik und Programmatik die ökonomische Krise vor allem für die unteren Einkommensklassen extrem verschärfen würde.
Wer es ehrlich mit der Demokratie meint, muss Politik für die Mehrheit der Menschen machen. Insofern ist es gut, dass linke Parteien im Verbund mit Gewerkschaften aus Anlass des 1. Mai die gesellschaftlichen Verhältnisse scharf kritisieren und den Finger in die Wunde legen.
Erst unsere Jobs, dann eure Profite!



