Die Geschichte von Erich Krämer

Mein Urgroßvater Franz Erich Krämer, kurz Erich Krämer, wurde am 09. März 1900 in Granschütz in Sachsen-Anhalt geboren. Nach seiner Schulzeit ging er in die Lehre und erlernte das Handwerk des Barbiers. Anschließend zog er nach Dänemark und eröffnete in Haderslev den ersten, eigenen Salon. Von dort stammte seine Ehefrau Dorothea Krämer, geboren als Dorothea Petrine Meiland am 16.09.1896. Erich und Dorothea heirateten am 02.06.1922. Kurz darauf wurde am 12.07. ihr erster Sohn Ernst Erich Krämer geboren. Es folgten am 12.08.1926 Karl Heinz und am 28.02.1928 Hans-Werner Krämer.

Erich und Dorothea wohnten mit Ernst in der Sönderbro in Haderslev, ehe 1924 ein Umzug folgte und die Familie nach Elmshorn zog. 1926 trat Erich einer Schalmeienkapelle sowie der Roten Hilfe bei und wurde 1929 Mitglied und Unterkassierer in der KPD. Der Wohnsitz der Familie lag in der Kirchenstraße 55, nach der Geburt der drei Söhne in der Peterstraße 4 in Elmshorn. Erich erarbeitete den Lebensunterhalt durch eine Tätigkeit als Friseur, später als Arbeiter in der Lederfabrik Metzger.

Im Juli 1932 kam es zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung mit Nationalsozialisten in der Ollnsstraße in Elmshorn. Erich und eine Reihe Gleichgesinnter traten 14 SS-Männern gegenüber, welche provokativ auftraten und ihre Propaganda publik machen wollten. Man vertrieb die Nazis, doch es kam zu Verhaftungen unter den Widerständlern durch die Polizei. Auch Erich wurde an diesem Tag verhaftet, jedoch nicht für ein Vergehen verurteilt.

Ab Januar 1933 verschlimmerten sich die Umstände drastisch. Die Mitglieder der Schalmeienkapelle erfuhren neben vielen anderen Gruppen und Einzelpersonen Beschlagnahmungen ihrer Instrumente und andere Repressalien durch die Polizei. Diese wurde angetrieben durch Anklagen der Hamburger Gestapo. 1934 nahm die Gestapo verschiedene Protagonisten wegen der Verteilung von Flugblättern gegen das Regime Hitler fest. Es kam zur Anklage wegen der Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens.

Erich wurde zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt und am 19.12.1934 im KZ-Lager Fuhlsbüttel inhaftiert. Vom 26.08.1935 bis 16.01.1938 folgte eine Haft im KZ Esterwegen, zeitweise im Zuchthaus Rendsburg. Während dieser Jahre übernahm Dorothea die Aufgabe der Unterkassiererin in der KPD und arbeitete als Haushälterin in Anstellung, um die Kinder zu ernähren.

1938 kehrte Erich nach Elmshorn zurück und nahm direkt eine neue Stelle an. Er wurde trotz der erst kürzlich erlittenen, körperlichen Belastungen Arbeiter auf der Krämerwerft. Dort tauschte er sich mit anderen Arbeitern aus und übte deutliche Kritik am Nationalsozialismus, an der Regierung Hitler und an der Unmenschlichkeit, mit der in Konzentrationslagern und Zuchthäusern mit Menschen umgegangen wurde. Durch seine edle und ehrliche Haltung kam es, dass er denunziert und erneut verhaftet wurde.

Am 18.03.1942 wurde er nach dem Heimtückegesetz durch das Amtsgericht Neumünster zu zehn Monaten Haft verurteilt. Sein Leidensweg führte in das KZ Sachsenhausen, wo er als sogenannter Schutzhäftling mit der Nummer 0439 13 im Sonderkommando Klinkerwerk Sklavenarbeit leisten musste. Die Arbeit bestand unter anderem darin, Gaskammern zu kacheln, ehe diese zur Ermordung von Menschen in Betrieb genommen wurden.

Am 16.07.1942 wurde Franz Erich Krämer per Kopfschuss ermordet. Der Totenschein vom 18.07.1942 wies die nicht zutreffende Todesursache einer Allgemeininfektion aus. Am 19.08.1942 wurde die Urne mit der Asche von Erich Krämer beigesetzt.

Sein Mut und seine Charakterstärke bleiben uns ein Vorbild, den Faschismus und Nationalismus entschlossen zu bekämpfen!

Ein Kommentar von Frank Ramson, Ur-Enkel von Franz Erich Krämer, auch erschienen im Antifaschistischen Rundbrief Nr. 101 der vvn-bda.de.