Pinneberger Initiativen halten Erinnerung an den Tag der Befreiung wach
Mit einem beeindruckenden und bewegenden Dokumentarfilm erinnerte die Initiative 8. Mai und das Kommunale Kino Pinneberg an den Tag der Befreiung vom Faschismus vor 81 Jahren.
„Die Möllner Briefe“ aus dem Jahr 2025, ein Dokumentarfilm von Martina Priester, erinnern an den Brandanschlag auf eine türkische Familie 1992 in Mölln, in der Zeit der sogenannten Baseballschlägerjahre. Drei Familienmitglieder sind damals diesem Anschlag zum Opfer gefallen. Die Überlebenden des Anschlags werden bis heute durch das damals ausgelöste Trauma beeinträchtigt.
Der Film erzählt aber auch von der großen Solidarität, die den Anschlagsopfern zuteilwurde, von der sie aber lange nichts wussten. Hunderte Briefe erreichten damals die Stadt, Briefe voller Anteilnahme. Briefe, die die Stadt damals lediglich archiviert hat, ohne sie an die türkische Familie weiterzuleiten. Erst fast 30 Jahre später hat sie davon erfahren.
Der Film folgt Ibrahim bei der Entdeckung der Briefe und bei der Begegnung mit drei ihrer VerfasserInnen. Zum Zeitpunkt des Anschlages war er gerade sieben. Heute hat er einen Umgang mit den Geschehnissen gefunden, indem er aktiv gegen Rassismus kämpft und sich für eine Erinnerungskultur einsetzt, die die Opfer ins Zentrum rückt. Der Film porträtiert auch seinen Bruder Namik, der sich aber noch am Anfang seines Weges der Bewältigung befindet.
Die Dokumentation schlägt eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Eine Vergangenheit, die bis zu 100 Jahre zurückreicht. Die Ereignisse damals, das wissen wir heute, führten in das größte Trauma der deutschen Geschichte. Eine Zeit großer sozialer Verwerfungen, hervorgerufen durch die Folgen der Weltwirtschaftskrise, durch Massenarbeitslosigkeit und Armut großer Bevölkerungsschichten. Durch hilflose politische Akteure, die keinen Weg herausgefunden haben. Durch das Erstarken einer faschistischen Partei und Bewegung, der NSDAP. Die Partei, die Deutschland und die Welt in einen Weltkrieg stürzte, der 60 Millionen Menschen das Leben kosten sollte, der weite Teile Europas in Schutt und Asche legte.
Auch daran erinnerte die Veranstaltung am Tag der Befreiung vom Faschismus. Den thematischen Bogen spannte der freischaffende Künstler Claus Reichelt, der an die Zeit zum Ende des 2. Weltkrieges erinnerte. Über das Chaos um den 8. Mai, das unter anderem auch dazu führte, dass Menschen noch Tage nach dem 8. Mai dem verbrecherischen Regime zum Opfer fielen. Einfach, weil sie sich gegen das System äußerten oder handelten. Reichelt thematisierte aber auch die heutige Gefahr für die Demokratie, hervorgerufen durch eine in Teilen offen rechtsextremistisch handelnde Partei, die immer stärker wird und im Bundestag agierend das Land mit populistischen Sprüchen destabilisiert. Diese Entwicklung muss gestoppt werden.
Den Abend ergänzte Pascal Stierl aus Halstenbek mit zwei Musikstücken auf der Violine, bevor die Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit hatten, die Veranstaltung mit dem Ablegen von Nelken am Mahnmal vor dem Rathaus zu beenden.
