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„Heraus zum Feministischen Kampftag“

Weiterhin werden FLINTA-Personen von dieser Gesellschaft systematisch benachteiligt und durch kapitalistische Strukturen klein gehalten. Ihre Arbeit wird ausgebeutet, ihre Stimmen werden überhört, ihre Lebensrealitäten politisiert und kontrolliert.
Deshalb hat die autonomen Antifa Elmshorn am 7. März zu einer feministischen Kundgebung auf dem Holstenplatz in Elmshorn aufgerufen. Unsere Kreissprecherin Karin Kunkel hielt dort folgende Rede:

Rede zum 8. März – Feministischer Kampftag

Demo-Ankündigung

Moin zusammen.
Bevor ich anfange, möchte ich euch kurz um etwas bitten. Hebt einmal kurz die Hand, wenn ihr eine Frau kennt, die schon einmal Angst vor einem Mann hatte.
Und jetzt hebt die Hand, wenn ihr eine Frau kennt, die Gewalt erlebt hat.

Genau deshalb stehen wir heute hier. Nicht wegen Symbolpolitik. Nicht wegen eines netten Feiertags.
Sondern weil Gewalt gegen Frauen immer noch Alltag ist. Der gefährlichste Ort für eine Frau ist ihr eigenes Zuhause. Nicht die dunkle Straße. Nicht der fremde Mann im Park. Sondern der Ort, an dem sie eigentlich sicher sein sollte.

Im Jahr 2025 wurden in Deutschland 100 Frauen von ihren Partnern oder Ex-Partnern getötet. 100 Femizide. Über 187.000 Frauen wurden Opfer häuslicher Gewalt. Mehr als 53.000 Frauen wurden Opfer sexualisierter Gewalt.
Und wir alle wissen: Die Dunkelziffer ist deutlich höher. Das sind keine Einzelfälle.

Das ist ein strukturelles Problem. Und dieses Problem hat einen Namen:
Patriarchat. Trotzdem hören wir immer wieder denselben Unsinn. Gewalt gegen Frauen sei angeblich ein importiertes Problem. Ganz ehrlich:
Misogynie ist nicht importiert. Das können deutsche Männer ganz alleine.

Ja, viele Frauenhäuser sind voll mit migrantischen Frauen. Aber nicht, weil dort mehr Gewalt herrscht. Sondern weil Frauen, die hier seit Generationen leben, oft ein soziales Netz haben.
Freundinnen. Familie. Menschen, die sie auffangen. Viele migrantische Frauen haben dieses Netz nicht. Und deshalb landen sie in den ohnehin überfüllten Frauenhäusern. Denn in Deutschland fehlen 12.000 bis 14.000 Frauenhausplätze.
Frauen werden abgewiesen. Nicht weil die Gefahr vorbei ist. Sondern weil kein Bett mehr frei ist.
Das ist die Realität hinter all den politischen Lippenbekenntnissen.

Und währenddessen verdienen Frauen immer noch 12 % weniger als Männer. Sie übernehmen den Großteil der Care-Arbeit. Kinder. Pflege. Haushalt. Und immer noch gibt es Männer, die stolz sagen: „Ich helfe meiner Frau im Haushalt.“
Nein. Ihr helft nicht. Ihr lebt da auch.

Wir leben außerdem in einer Zeit, in der rechte Kräfte wieder lauter werden. Leute, die sich eine Vergangenheit zurückwünschen, in der Frauen abhängig waren. Fragile männliche Egos, die damit nicht klarkommen, dass Frauen ihr Leben selbst bestimmen. Viele Männer wollen von Frauen gebraucht werden,
damit sie sich überlegen fühlen können.
Aber ganz ehrlich: Wir wollen nicht gebraucht werden. Wir wollen uns auf Augenhöhe begegnen. Nicht brauchen. Sondern wollen.
Und vielleicht sollten sich manche Männer auch eines klar machen:
Wir Frauen haben eine Macht, über die viel zu selten gesprochen wird. Denn ohne Frauen gibt es keine Menschheit. Wenn Frauen weltweit beschließen würden, keine Kinder mehr zu bekommen, dann wäre es auf diesem Planeten ziemlich schnell ziemlich leer. Das ist keine Drohung.
Das ist einfach eine biologische Realität. Und vielleicht erinnert uns das daran,
dass Frauen keine Randgruppe sind. Wir sind die Hälfte dieser Gesellschaft.
Und wir sind längst nicht mehr bereit, uns klein machen zu lassen.

Der 8. März ist deshalb kein Wohlfühltag. Der 8. März ist ein Kampftag. Vor über hundert Jahren haben Sozialistinnen wie Clara Zetkin und Käthe Duncker
dafür gesorgt, dass es diesen internationalen Frauentag überhaupt gibt.
Sie wussten damals schon: Frauenrechte werden nicht geschenkt. Frauenrechte werden erkämpft.

Und genau das passiert gerade wieder. Immer mehr Frauen schließen sich zusammen. Zum Beispiel das Töchterkollektiv, das morgen zu einem großen intersektionalen Frauenstreik aufruft. Historisch angelehnt an den Frauenstreik von Iceland Women’s Strike 1975.
Die Idee ist simpel: Wenn Frauen ihre Arbeit niederlegen, wenn sie keine Care-Arbeit mehr leisten, keine Büros organisieren, keine Familien managen, dann merkt diese Gesellschaft ziemlich schnell:
Ohne Frauen läuft hier gar nichts.

Und deshalb werden wir lauter. Denn das Patriarchat produziert Gewalt. Es produziert Abhängigkeit. Und es hält Menschen klein. Aber wir sind nicht klein.
Wir sind viele.

Und wir sind nicht mehr bereit, uns den Mund verbieten zu lassen. Nicht von rechten Hetzern. Nicht von antifeministischen Ideologen. Und auch nicht von Männern, die glauben, sie hätten Anspruch auf Macht über Frauen.

Darum frage ich euch: Seid ihr bereit, weiter zu kämpfen?
Seid ihr bereit, laut zu bleiben?
Dann lasst uns genau das tun. Denn wir sind 50 % dieser Gesellschaft. Und unsere Zeit kommt. Nicht irgendwann. Sondern jetzt.

Ich möchte euch zum Schluss noch etwas sagen. Viele von uns sind müde. Müde davon, immer wieder erklären zu müssen, dass Gewalt gegen Frauen real ist. Müde davon, immer wieder zu hören, wir würden übertreiben. Müde davon, immer wieder zu kämpfen für Rechte, die selbstverständlich sein sollten.
Aber wisst ihr was?
Unsere Wut ist berechtigt. Unsere Wut ist politisch. Und unsere Wut ist eine verdammt starke Kraft. Denn jede Veränderung in der Geschichte hat mit Menschen begonnen, die irgendwann gesagt haben:
Jetzt reicht es. Wir werden nicht mehr leise sein.
Wir werden uns nicht mehr klein machen. Und wir werden uns auch nicht mehr spalten lassen. Nicht nach Herkunft. Nicht nach Klasse. Nicht nach Religion. Denn der Feminismus, für den wir kämpfen, ist solidarisch.
Er ist laut. Und er gehört uns allen. Wir sind viele. Wir sind organisiert. Und wir gehen keinen Schritt zurück.
Nicht bei unseren Rechten. Nicht bei unserer Würde. Und ganz sicher nicht bei unserer Freiheit.
Also lasst uns laut bleiben. Lasst uns unbequem bleiben. Und lasst uns weiter kämpfen. Für die Frauen, die heute hier stehen. Für die Frauen, die heute nicht hier sein können. Und für die Frauen, die nie die Chance hatten, alt zu werden.

Der 8. März ist nicht das Ende dieses Kampfes. Er ist nur eine Erinnerung daran,
dass wir ihn gemeinsam führen. Und dass wir ihn gewinnen können.
Danke euch.

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