Auch in Elmshorn: „1. Mai heißt Klassenkampf!“
Unter dem Motto „Mach dich stark mit uns“ rief auch in Elmshorn der DGB am Kampftag der Arbeiterbewegung zu einer Kundgebung und Demonstrationszug auf.
Schon im Vorfeld zur Veranstaltung gab es Spannungen aufgrund der Rednerliste. Neben einem Vertreter der ver.di Jugend und Ralf Stegner (SPD), sollte auch Daniel Kölbl (CDU) auf der Bühne am Alten Mark zu Wort kommen. Vor allem der geplante Auftritt des CDU-Abgeordneten aus Tornesch sorgte für Widerstand, der durch die solid – Linksjugend auch in den Sozialen Medien so kommuniziert wurde. Während seines Grußwortes reagierten vor allem junge Kundgebungsbesucher mit Störaktionen und mit einem Transparent. Dazu später mehr.
Zunächst versammelten sich ab 10 Uhr circa 250 Demonstrationsteilnehmer*innen in der Nähe des Bahnhofes, um dann gemeinsam mit Begleitung einer Trommelgruppe und lautstarken Rufen durch die Stadt zu ziehen. Sie forderten verbesserte Arbeitsbedingungen, wandten sich gegen steigende Kosten, die der Entwicklung der AFD und weiterer rechter Gruppen in die Karten spielen.
Fahnen und Transparente der Gewerkschaften, der Linken und solid Linksjugend aber auch der Antifaschistischen Aktion sorgten für die thematisch einzig richtige Farbgebung des Zuges: Rot!
Unter anderem der Kampf gegen den Faschismus sollte auch Thema der Zwischenkundgebung der VVN-BdA am Reinhold-Jürgensen-Platz sein. Jürgensen war gebürtiger Elmshorner, Gewerkschafter und Mitglied der KPD. Er wurde mit nur 36 Jahren im KZ Fühlsbüttel durch die Nationalsozialisten ermordet. Jens Wilke, Sohn der Holocaust-Überlebenden Marianne Wilke und Kreisvorsitzender der VVN-BdA, betonte in seiner Rede, welche Kräfte in der Gesellschaft und im Parteienspektrum profitieren, wenn Arbeitnehmerechte zu gering geschätzt werden.
Die Antifa erinnerte mit einer gelungen Aktion (Transparent und Rauchtöpfe) an der Demostrecke nochmal daran: „1. Mai heißt Klassenkampf!“, bevor der Zug dann wieder auf dem Alten Markt eintraf.

Um 12 Uhr begann die Kundgebung vor der Bühne. Als der CDU-Bundestagsabgeordnete Daniel Kölbl dort auftauchte, wurde es seitens der Antifaschistischen Aktion und Linksjugend [’solid] laut. „Rassistisch, sexistisch, neoliberal – CDU, Partei fürs Kapital“ und „Hau ab!“ Rufe, sorgten dafür, dass Daniel Kölbl kaum zur Wort kam. Erst als wiederholt ein Veranstalter darum bat, den CDU Politiker sprechen zu lassen, konnte dieser seine dreiminütige Rede mit einigen Zwischenrufen und begleitet von einem Plakat der Linksjugend [’solid], auf dem in großen Lettern „HEUCHLER“ zu lesen war, beenden. Weiterlesen zum Thema>> | Fotogalerie >>

Inhaltlich kann man die Rede so zusammenfassen, dass es Armut gibt und man etwas dagegen tun müsse. Konkrete Pläne, die über den mit Konjunktiven gespickten Koalitionsvertrag hinausgingen, präsentierte Kölbl nicht.
Eine Kritik an die Störer gab es natürlich von Kölbl dennoch, denn es müsse ja innerhalb des demokratischen Spektrums möglich sein zu reden. Dies fällt der Union immer dann ein, wenn es ihnen gerade in den Kram passt, wir möchten aber daran erinnern, dass die CDU/CSU eine Zusammenarbeit auf Bundesebene mit der Partei „Die Linke“ bis heute ablehnt und sie in einem Atemzug mit der AfD in ihrem Beschluss von 2018 nennt.
Im Gegensatz zur Jungen Union, die vorab mit künstlicher Empörung über die Forderung der solid nach einer Ausladung des CDU-Redners reagierte, gab es von Daniel Kölbl selbst kein nennenswertes Statement. Vielleicht könnte man es als generelles Statement werten, dass Kölbl dann heute nicht am Demonstrationszug teilnahm, sondern es sich zeitgleich im örtlichen Café gutgehen ließ.
Ralf Stegner als nächster Sprecher hatte es ein wenig leichter, punktete mit seinem Aufruf sich gewerkschaftlich zu organisieren, erntete aber auch Zwischenrufe, als er das geplante 500 Milliarden Paket der künftigen Regierung so anpries, als würde der Gesamtbetrag für Infrastruktur, Bildung und soziale Gerechtigkeit eingeplant sein, dabei aber vergaß, dass ein nicht unerheblicher Betrag auch für Aufrüstung investiert werden wird.

Zahlen, Daten, Fakten hatte dann nur der letzte Sprecher der ver.di Jugend in seiner Rede dabei. Er wies unter anderem darauf hin, dass im Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD auf 146 Seiten das Wort „Wirtschaft“ 181 Mal, das Wort „Migration“ 33 Mal und das Wort „Armut“ nur ganze sieben Mal vorkommen wurde, sogar noch hinter dem Wort „Raumfahrt“ (elf Mal).
Schon hier lässt sich also erkennen, wo die sprichwörtliche Reise hingeht. nSoziale Gerechtigkeit geht eben #nurmitlinks!
Autor: René G., einer der Sprecher des LINKE-Ortsverbandes Pinneberg
