Wert und Bedeutung

Mit der Bedeutung ist es wirklich so eine Sache. Jeder hat eine. Eine für alles, für alles eine andere. Was wem wie viel bedeutet, unterscheidet sich stark und das ist gut. Es liegt ja bei jeder/m selbst. Dann kommt das „Aber“. Manche Dinge, viele Dinge, ja fast alle Dinge kann und sollte ein Mensch selbst betrachten, bewerten, einschätzen. Welchen Wert, welche Bedeutung hat was für mich?

Was für die meisten Menschen von Bedeutung ist, scheint logisch. Die Gesundheit, die Familie, die Kinder besonders und auch Faktoren wie Sicherheit, Verfügbarkeit von Nahrung und so weiter. Hier bleibt es noch alles recht übersichtlich, in wie weit Priorisierungen variieren und welche Auswirkungen die Unterschiede für die Allgemeinheit haben. Man kann sagen, sehr übersichtlich.

Das ändert sich schlagartig bei DEM Faktor aller Faktoren. Dem offensichtlich wichtigsten Gut, das alle anderen bei weitem überragt. Ist es wohl die Liebe oder die Zukunft im Einklang mit der Natur? Ist es die Weiterentwicklung der Wissenschaft oder die Perfektonierung anderer Künste? Schön wärs. Leider ist die Antwort vielmehr enttäuschend als alles andere. Es ist einfach nur Geld.

Geld, die Illusion der Allmacht. Der Garant des Gefühls der Überlegenheit. Klar, auch der Stabilisator unserer Bedürfnisse und Interessen. Doch um welchen Preis? Und genau hier ist die Betrachtung erstaunlich unübersichtlich zu unterscheiden, wer was zu welchem Preis zu tun oder zu akzeptieren bereit ist. Es heißt, jeder hat seinen Preis. Was kostet dann wohl das Ende der Welt?

Wer so eine Frage stellt, muss sich allerlei Vorwürfe anhören. Die Vorwürfe jener Menschen, die auf die Relevanz des Geldes in unserer Gegenwart verweisen. Klar, es ist relevant. Doch wie weit darf der Mensch gehen, diese Relevanz über alle anderen Dinge zu stellen? Welche Wunden sind Menschen bereit, sie der Welt zuzufügen, wenn nach ihrem Denken die Bezahlung angemessen ist?

Wir verlieren an Land durch menschgemachtes Handeln aus verschiedenen Gründen immer mehr nutzbaren Boden. Wir überfischen die Gewässer und verderben natürliche Kreisläufe im Meer. Wir vergiften die Luft, zerstören langfristig die Eisflächen an den Polen, rotten dadurch unzählige Spezies der Tiere aus und die meisten von uns raufen sich dennoch aus anderen Gründen die Haare.

Nicht die Verzweiflung über diese Schäden und Fehler sind gemeint. Die Endlichkeit unserer Ressourcen und der Ausschlachtbarkeit unserer Erde machen manche Menschen wütend. Man möchte doch bitte noch viel mehr Wälder roden, Gewässer leerfischen und nebenbei Silberjodit in die Atmosphäre blasen, weil das alles so clevere Renditefüchse ausgeheckt haben.

An dieser Stelle endet die plakative Ironie und weicht einer Feststellung.

Wenn wir die Zukunft unserer Welt jenen überlassen, die sich nur dafür interessieren, wie man was zu welchem Preis ohne Rücksicht auf Nachhaltigkeit ausschlachten kann, haben wir diese mit dem Untergang einer vormals wunderschönen Zivilisation beauftragt. Und zahlen ihnen dafür auch noch gigantische Boni bis zum Tag X.

Wenn wir nicht gegen, sondern zugunsten unserer Zukunft handeln wollen, muss die Neuorientierung schnell und umfassend erfolgen. Die Gesundheit von Mensch, Tier und Planet muss wieder eine angemessene Wertung und Wertschätzung erhalten. Sie muss höher priorisiert werden als kurzfristige Renditen oder Vorstellungen von Einzelnen. Zum Wohle von uns allen.

Kommentar Nr. 20 aus der Reihe Immer wieder sonntags von Frank Ramson zum Klimawandel, 05.05.19.